[Konklave 2013] Vorworte des Kardinaldekans

  • Werte Brüder Kardinäle, werte Brüder in Christus!


    In wenigen Stunden werden sich die Tore der Sixtinischen Kapelle schließen und damit wird sich vorerst auch das Kirchenkapitel "Linus III.", das Kapitel dieses großartigen, barmherzigen Papstes, schließen.
    An dieser Stelle wollen wir dem Vater im Himmel Dank darbieten, um ihm für den liebevollen Beistand zu danken, den er immer für seine Heilige Kirche bereit hält, und insbesondere für das leuchtende Pontifikat, das er uns mit dem Leben und Wirken des 225. Nachfolgers Petri gewährt hat, mit dem geliebten und ehrwürdigen Papst Linus III., dem wir in diesem Augenblick nochmals in unsere Herzen schließen wollen, um ihn und sein Wirken nicht zu vergessen.


    Zugleich wollen wir heute den Herrn anflehen, dass er uns mit Hilfe der pastoralen Dienstbarkeit der Kardinäle bald einen anderen guten Hirten für seine Heilige Kirche zugestehen möge. Ganz sicher stützt uns in dieser Stunde der Glaube an das Versprechen Christi über den unvergänglichen Charakter seiner Kirche. In der Tat sagte Jesus zu Petrus: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“.


    Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, der Herr sprach zu seinen Aposteln und sagte: „Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“ (Joh 15,12). Es ist jene Liebe, die uns dazu veranlasst, unser eigenes Leben für unsere Mitbrüder zu schenken. So sagt uns in der Tat Jesus: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13)


    Die grundlegende Haltung jedes guten Hirten ist es also, sein Leben hinzugeben für die Schafe (vgl. Joh 10,15). Dies gilt vor allem für den Nachfolger Petri, den Hirten der universellen Kirche. Denn je höher und universeller das Amt des Hirten ist, desto größer muss seine Liebe sein. Deshalb sind im Herzen jedes Nachfolgers Petri immer die Worte erklungen, die der Göttliche Meister eines Tages an den einfachen Fischer aus Galiläa gerichtet hat: „Diligis meplus his? Pasce agnos meos … pasce oves meas. Liebst Du mich mehr als diese? Weide meine Lämmer… weide meine Schafe“ (vgl. Joh. 21, 15-17).


    In der Nachfolge in diesem Liebesdienst an der Kirche und der ganzen Menschheit haben die letzten Päpste viel Gutes getan für die Völker und die Weltgemeinschaft und haben sich unablässig für Gerechtigkeit und Frieden eingesetzt. Beten wir dafür, dass der zukünftige Papst dieses Werk unermüdlich weltweit fortführen möge.


    Dieser Liebesdienst gehört im Übrigen zum innersten Wesen der Kirche. Es ist eine Sendung der Liebe, die der Kirche eigen ist, insbesondere der heiligen katholischen Kirche, die, nach dem schönen Wort des Heiligen Ignatius von Antiochien, die Kirche ist, die „der Liebesgemeinschaft vorsteht“.


    Liebe Mitbrüder, beten wir, damit der Herr uns einen Oberhirten schenkt, der großmütig diese vornehme Sendung erfüllt. Darum bitten wir durch die Fürsprache der Heiligen Maria, Königin der Apostel, und aller Märtyrer und Heiligen, die im Lauf der Jahrhunderte diese heilige katholische Kirche ruhmreich gemacht haben. Amen!